Ihr Lieben, wir haben schreckliche Neuigkeiten, die sich da nennt: Bodenbelastung. Wir haben erfahren, dass unser Boden voller Blei und Cadmium ist. Wie das passiert und warum wir längst nicht die Einzigen sind..!
Doch einmal ganz von vorn: Wir haben im Oktober 2016 unseren Kleingarten übernommen. In unserem zweiten Gartenjahr haben wir erfahren, dass unsere Parzelle wahrscheinlich mit Schwermetallen belastet ist.
Parallel dazu hat der Landesverband eine neue Broschüre herausgebracht, die sich mit Bodenbelastungen in Kleingärten auseinandersetzt. Daraufhin haben wir die Erde bei uns testen lassen. Tatsächlich: Der Boden in unserem Garten ist verseucht, und zwar nicht zu knapp!
Bodenbelastung durch Blei und Cadmium: Wie gefährlich ist das?
Zuallererst wollten wir natürlich wissen: Wie gefährlich sind Blei, Cadmium & Co. überhaupt? An dieser Stelle berufen wir uns nur auf Quellen, wir selbst sind – bis auf den Erste-Hilfe-Schein – nicht medizinisch bewandert! Unsere Recherchen haben Folgendes ergeben: Schwermetalle wirken ganz unterschiedlich, aber immer schädlich auf den menschlichen Körper. Eine übermäßige Bleiaufnahme führt zum Beispiel zu Nervenschäden, kann Einfluss auf die Blutbildung nehmen und verursacht Magen-Darm- sowie Nierenschäden. Laut dem Netzwerk Frauengesundheit ist unter Anderem Cadmium ein Auslöser von Krebs.
Neben Blei und Cadmium die „Übeltäter“ in Sachen Bodenbelastung: Arsen, Quecksilber, Beryllium, Chrom, Nickel, Palladium, Silber, Aluminium, Zink und Kupfer.
Das Üble an dieser Riege? Sind sie einmal im Boden, bleiben sie dort auch, denn es sind ja nicht umsonst “Schwermetalle”.
Wodurch entsteht Bodenbelastung durch Schwermetalle?
Wie es bei uns im Gartenverein zu der Bodenbelastung gekommen ist? Vermutlich gibt es dafür zwei Gründe – wieder ein Disclaimer hier: Wir sind keine Biochemiker oder Umweltverständige, nur zwei Lebewesen, die viel lesen, Dinge beobachten und zusammenbringen:
- Das Abladen von Schutt und Schlacke – also nicht vollständig verbrannter Rückstände von Müll. Unser Gartenverein liegt am Haldenstieg, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier abgeladen, was in der Stadt keiner mehr wollte. „Fun Fact“: Ungefähr so ziemlich alle Kleingärten und Schrebergärten in Großstädten haben wohl ein Problem mit Bodenbelastungen, denn diese Flächen sind oft dort entstanden, wo lange keiner wohnen wollte (wegen des Mülls!). So kann man es auch im Ärzteblatt nachlesen.
- Das erhöhte Verkehrsaufkommen in Form von Flugzeugen vor unserer Nase. Der schöne, unverbaute Blick rund um den Hamburger Flughafen hat eben seinen Preis. Aber auch an anderen Stellen in der Stadt kann eine Bodenbelastung durch den Verkehr – Feinstaub! – herrühren. Wir begrüßen übrigens SEHR, dass sich Deutschland nun für die schlechten Abgaswerte in der Innenstadt verantworten muss. Eine Doku im NDR hat außerdem bewiesen, dass es schon reicht, seinen Garten in der Nähe einer viel befahrenen Straße zu haben.
Andere Gründe für eine Bodenbelastung können Tagebau oder auch das Aufbringen von schwermetallhaltigen Düngern oder Klärschlamm sein. Man weiß außerdem, dass das Fracking – der Erdgas-Abbau – dafür sorgt, dass Schwermetalle wie Quecksilber aus tieferen Erdschichten nach oben befördert werden.
Bodenbelastung testen (lassen): So geht’s
Ihr wollt jetzt auch euren Garten auf eine Bodenbelastung testen? Können wir nur empfehlen. Der Anbieter unserer Wahl, GeoNatura, hat uns nicht nur sehr einfache Analysekits geliefert, sondern mit dem Ergebnis auch eine idiotensichere Interpretation sowie Hilfestellungen, was nun zu tun ist.
Wenn ihr euren Boden mit so einem Analyse-Kit testet, geht ihr am besten wie folgt vor:
- Das Beet oder die Ecke des Gartens aussuchen, die ihr testen lassen wollt
Wir haben zwei Proben gezogen, einmal in unserem „ursprünglichen“ Beet mit Erdbeeren, Himbeeren und unserem Gartenschatz, dem Rhabarber. Und die zweite haben wir aus einem Beet, das wir nach dem Anlegen mit Mutterboden gefüllt haben, entnommen. - Bodenproben entnehmen
Ihr stecht für die Bodenprobe etwa spatentief in den Boden hinein und nehmt dann eine Vertikalprobe. So könnt ihr auch Erde mitnehmen, die nicht an der Oberfläche ist und erfahrt dadurch auch, wo die Bodenbelastung überall ist. Denn: Nehmt ihr nur von oben, kann es sein, dass Feinstaub durch den Verkehr eure Probe „verfälscht“. Dieser lässt sich zu einem großen Teil einfach von Obst und Gemüse abwaschen. - Alles gut beschriften
Beschriftet die Proben so, dass ihr hinterher wisst, was ihr getestet habt. Wichtig: Die Uhrzeit draufschreiben. Dann wird’s noch deutlicher zuordnenbar. - Die Proben einschicken
Das ging dank der Kits sehr gut. Einfach ab in den Karton, zugeklebt und bei der Post als Maxibrief aufgegeben. - Das Ergebnis sichten und verstehen
Nach etwa fünf Werktagen könnt ihr mit einem Ergebnis eurer Bodenprobe rechnen. Unsere kam sehr pünktlich, an einem Freitag, was uns ein wenig das Wochenende versaut hat!
Unser Rhabarberbeet weist folgende Bodenbelastung auf:

Unsere anderen Beete haben unauffälligere Werte, allerdings überdurchschnittlich viel Blei und Zink und auffällig viel Kupfer und Quecksilber.
Schwermetalle im Boden: Was tun?
Ganz ehrlich: Als wir die Ergebnisse bekommen haben, durchliefen wir ungefähr alle Emotionen, von „Wir geben den Garten auf“ bis „Wir machen das Beste draus“. Dann haben wir mehr und mehr recherchiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir unseren Kleingarten behalten werden. Es ist dort einfach zuuuuu schön! Und: Wir haben schon so viel Zeit und Geld und Herzblut in den Garten gesteckt, dass wir ihn so schnell nicht aufgeben wollen. Was also tun bei Bodenbelastung durch Schwermetalle?
Wir werden folgendes beachten und umsetzen:
- Hochbeete anlegen – je weiter weg vom belasteten Boden, desto besser. Wichtig: Der Mutterboden in den Beeten darf dann auch nicht verseucht sein. Und: Den Boden der Hochbeete solltet ihr auf keinen Fall umgraben, sonst riskiert ihr eine Kontamination der unbelasteten Erde.
- Boden sanieren – Studien zeigen, dass Brennnesseln, brauner Senf oder auch Löwenzahn die Schwermetalle anreichern. Wenn man also diese Pflanzen „anbaut“, sie dann aus dem Boden reißt und entsorgt, kann man wohl über die Zeit hinweg den Boden entgiften.
- Bodenqualität ausbauen – Schwermetalle sind schwer. Sie werden umso unbeweglicher und „schwerer“, je mehr Nährstoffe im Boden sind. Auch der pH-Wert spielt eine Rolle. Je höher der ist, desto träger werden die Metalle und bleiben im Boden, anstatt von den Pflanzen aufgenommen zu werden. Wir werden also in Zukunft noch mehr auf eine gute Bodenqualität achten und bei Bedarf düngen etc.
- Pflanzen anbauen, die Schwermetalle nicht so stark anreichern – wir haben herausgefunden, dass Obst die Schwermetalle nicht anreichert. Salat & Co. müssen wir gut abwaschen, dann ist der Verzehr ebenfalls unbedenklich. Größtes Sorgenkind: Mangold – der zieht Blei & Cadmium förmlich an.
- Kontakt mit der Erde vermeiden – gerade Kleinkinder und Babys sollten nicht in der belasteten Erde spielen. Aber auch wir Erwachsene sollten uns schützen. Darum werden wir große Umgrabeaktionen vermeiden oder uns mit Mundschutz ausrüsten.
Unsere nächsten Schritte:
Wir haben unseren Rhabarber ja so furchtbar gern, weshalb wir erst einmal Stangen ins Labor geschickt haben. Auch unseren grünen Spargel lassen wir kontrollieren. Wie viel Blei und Cadmium stecken tatsächlich in den Stangen? Danach entscheiden wir, ob wir die Pflanzen direkt rausziehen und auf den Recyclinghof bringen (es wäre sooo schade, gerade der Rhabarber geht bei uns dieses Jahr voll ab!!!) oder ob wir sie durch ein Umpflanzen retten können.
Edit: Nach einer weiteren Analyse wissen wir nun, wie viele Schwermetalle in unsere Gemüse schlummern. Mehr lest ihr in dem Extra-Beitrag dazu!
Mehr Infos zu Bodenbelastung und wie man damit umgeht
In erster Instanz hilft euch in der Regel euer Kleingartenverein bzw. der Vorstand. Auch das zuständige Umwelt- bzw. Gesundheitsamt sollte ziemlich genau wissen, wie es um die Bodenqualität bei euch im Kleingarten bestellt ist. Unsere Anfragen verliefen leider im Sande. Deshalb haben wir uns anderweitig informiert. Sehr hilfreich haben wir das Forum des Bundeszentrums für Ernährung gefunden. Außerdem hat uns der Analyse-Dienstleister sehr viele Tipps aufgezeigt!
Und: Falls ihr noch Tipps zu Blogs oder Büchern habt, die sich mit dem Thema Bodenbelastung auseinandersetzen, gern her damit!
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