Bei dieser E-Mail in unserem Posteingang ging uns mächtig die Flatter – sie verriet uns schließlich, wie viel Schwermetall in unserem Gemüse und Obst tatsächlich steckt.
Puuuuh, aufatmen: Das Gemüse und Obst, das wir auf unserem Stückle anbauen, ist unbedenklich. Die Konzentration von Blei und Cadmium sind nicht so hoch wie erwartet und liegen weit unter den EU-weit geltenden Belastungsgrenzen. Nochmal: Puuuuh!
Ihr erinnert vielleicht: Wir haben neulich die Nachricht erhalten, dass unser Boden extrem mit Schwermetallen, vor allem Blei und Cadmium, belastet ist. Sowas will kein Kleingärtner hören, vor allem keiner auf dem Weg zum Selbstversorger, so wie wir es sind.
Was wir gemacht haben, nachdem wir das erfahren haben? Erst einmal den Boden testen lassen. Und dann das Gemüse – wir haben stellvertretend Rhabarber und Spargel untersuchen lassen. Warum? Das hat zwei Gründe: Einer ist, dass beide Pflanzen Blei, Cadmium & Co. mittelstark anreichern, mehr als zum Beispiel die Himbeeren oder Erdbeeren. Und der andere, dass beides in dem großen, besonders belasteten Beet wächst. Wenn unser Gemüse und Obst also mit Schwermetallen angereichert ist, dann auf jeden Fall von dort!

Wo kann ich Gemüse und Obst auf Schwermetalle testen lassen?
Ehrlich gesagt, war die größte Herausforderung, ein Labor zu finden, dass unser Gemüse auf Schwermetalle testet. Eigentlich unvorstellbar. Vor allem arbeiten Freunde von uns auch in einer Firma, die allerhand Dinge auf allerhand Dinge testet. Aber: Solche Labore verarbeiten und untersuchen in der Regel Proben von großen landwirtschaftlichen Betrieben oder von großen Bauunternehmen, die Grundstücke erschließen lassen wollen oder das Trinkwasser von Gemeinden. Sprich: für Privatpersonen mit zwei lächerlichen Spargelstangen ist das nichts.
Wir sind schließlich doch fündig geworden: NSF Erdmann Analytics. Der Dienstleister führt Proben von Lebensmitteln und auch Futtermitteln durch. Könnte ja nicht besser passen! Wir wurden außerdem sehr nett beraten, auch wenn sich die Kollegen des Öfteren wohl gewundert haben, was wir alles so für Fragen haben.
Wie lässt man denn Schwermetalle in Gemüse oder Obst feststellen?
Wir haben laut Anweisung des Analyse-Services unser Gemüse ganz normal geerntet, zwei bis drei Stangen pro Gemüse, es in Gefrierbeutel verpackt und dann per Express-Versand mit der Post auf den Weg geschickt. Im Labor angekommen werden die Proben dann verarbeitet und untersucht. Das dauert in der Regel um die fünf bis sieben Tage. Bei uns hat es fast zwei Wochen gedauert, bis wir unser Ergebnis hatten! Urlaubszeit eben…
Wir haben übrigens nur auf Blei und Cadmium testen lassen, denn bei solchen Untersuchungen bezahlt man pro Probe und pro Inhaltsstoff, auf den geprüft werden soll. Da im Boden kein Arsen nachgewiesen wurde, haben wir das nicht testen wollen. Und Quecksilber ist wohl in Gemüse und Obst eher keine Gefahr. Diesen Schadstoff nimmt man laut unseren Informationen eher über den Boden und den Staub an sich auf.
Schwermetalle in unserem Gemüse: die Test-Ergebnisse
Hier sind sie, die Ergebnisse: Unser grüner Spargel, der sich ja unverhofft bei uns ins Beet verirrt hat und den wir im Frühling mühsam umgezogen hatten, kommt auf unter 0,05 mg Blei und unter 0,01 mg Cadmium pro Kilogramm. Unser Rhabarber ebenfalls. Die zulässigen Höchstwerte liegen jeweils bei 0,10 mg pro Kilo. Hier geht es zur Verordnung der EU mit allen Grenzwerten. Unser Gemüse testet also weit drunter. Ein drittes „Puuuuh“ an dieser Stelle.
Bedeutete für uns in dem Moment: Ran an die Rhabarberernte! Inzwischen haben wir über 15 Kilo aus dem Garten mitnehmen können – die nun in Form von Kompott und Marmelade in unserem Vorratsregal auf ihren Einsatz warten. Ein bisschen was wanderte auch über den Zaun zu unseren liebsten Nachbarn. Und in den leckerschmecker Rhabarberkuchen vom Blech – da gibt’s demnächst auch ein Rezept!
Die Testergebnisse fassen wir zunächst einmal als Entwarnung auf. Aber: Durch die Belastung durch den Flughafen und andere Einflüsse kann der Boden sich natürlich verändern. Deshalb werden wir peu à peu unsere Beete in die Höhe versetzen und die Hochbeete in Hochbetrieb nehmen. Dort haben wir die ausgesäten Zwiebeln umgesetzt und die zunächst schon eingefüllte Erde wieder rausgeschaufelt. Natürlich bei gefühlt 30 Grad! Rhabarber und Spargel werden zum Herbst hin umgesiedelt, sodass wir im kommenden Jahr mit einem noch besseren Gefühl ernten können. Das Obst bleibt erst einmal, wo es ist. Himbeeren, Erdbeeren und Johannisbeeren sollen Schwermetalle ja nicht so stark anreichern wie zum Beispiel Möhren oder Mangold.
Ihr seht also: Es wird bei uns nicht langweilig und das Stück Arbeit macht weiterhin Arbeit. Aber: Ohne die dunkle Wolke der Schwermetallbelastung schmecken Gemüse, Rhabarber, Salat und Obst gleich doppelt lecker!
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