Nachhaltiger Weihnachtsbaum: So wird euer Weihnachtsfest wirklich grün

Auf unserem Hof haben wir endlich Platz für einen echten, richtig große Weihnachtsbaum. Bei der Recherche haben wir uns aber gefragt: Wie nachhaltig ist dieser Brauch eigentlich? In diesem Text lest ihr, wie ihr einen nachhaltigen Weihnachtsbaum findet!

Warum konventionelle Weihnachtsbäume oft kein Geschenk für die Umwelt sind

Jedes Jahr werden in Deutschland über 30 Millionen Weihnachtsbäume verkauft. Die allermeisten stammen aus intensiven Monokultur-Plantagen. Und dort geht es leider alles andere als ökologisch zu. Um einen Weihnachtsbaum nachhaltig zu nennen, sollte man auf drei Punkte achten:

🌱 Pestizide & Schadstoffe

Um die Bäume möglichst gleichmäßig wachsen zu lassen und Schädlinge fernzuhalten, kommen im konventionellen Weihnachtsbaum-Anbau häufig Herbizide, Insektizide und synthetische Dünger zum Einsatz. Untersuchungen vom BUND zum Beispiel zeigen immer wieder Rückstände dieser Stoffe auf den Bäumen – und ja, die holt ihr euch damit direkt ins Wohnzimmer. Psst, ein ähnliches Thema gibt es im Bereich Schnittblumen – in unserem Interview mit Margrit de Colle sprechen wir darüber.

🐞 Monokultur statt Lebensraum

Monokulturen bieten kaum Nahrung für Insekten oder Vögel. Sie laugen Böden aus und sind anfälliger für Krankheiten – weshalb wiederum mehr Pestizide genutzt werden. Ihr seht: Es ist ein Teufelskreis!

🚛 Lange Transportwege

Viele Bäume kommen aus Dänemark oder aus Osteuropa – und legen dann reichlich Strecke zurück, bevor sie bei euch im Wohnzimmer landen. Mit jedem gefahrenen Kilometer steigt der CO₂-Fußabdruck eures Baumes. Und ihr entfernt euch vom Konzept des nachhaltigen Weihnachtsbaumes.

Wenn ihr also einen klassischen Baum kauft, lohnt sich ein bewusstes Hinschauen – und vielleicht sogar eine nachhaltige Alternative!

Blick in die Zweige eines geschmückten Tannenbaums.
Wenn Baum – und Deko – nachhaltig sind, feiert es sich sehr viel entspannter, finden wir.

Nachhaltige Weihnachtsbäume kaufen – drei Tipps

Mit dem Wissen im Hintergrund haben wir uns an die Recherche gemacht. Wo und wie kommt ihr denn nun an einen nachhaltigen Weihnachtsbaum? Unserer Meinung nach habt ihr drei Möglichkeiten:

1. Bio-Weihnachtsbäume: die natürlichste Lösung

Bio-Weihnachtsbäume wachsen ohne synthetische Pestizide und künstliche Dünger. Das schützt Böden, Tiere – und unser Wohnzimmerklima.

Auf diese Siegel könnt ihr achten:

  • Naturland
  • Bioland
  • FSC
  • EU-Bio-Siegel

Unser Tipp: Kauft möglichst regional. Und, wenn möglich, schneidet den Baum selbst. Dann könnt ihr gleich mal checken, wo er herkommt. Bei uns auf dem Land gibt’s einige Anbieter, bei denen ihr direkt ab Hof kaufen könnt. Oder die euch genau sagen, wo die Bäume herkommen. Extra-Tipp: Bei Robin Wood findet ihr eine interaktive Karte mit Bio-Baum-Verkäufen.


2. Weihnachtsbäume im Topf – eine charmante Option

Topfbäume finden wir super, wenn ihr bereit seid, ein bisschen Verantwortung zu übernehmen und Lust drauf habt, mit dem Baumgärtnern anzufangen.

Vorteile:

  • lebender Baum, mehrfach nutzbar
  • kann nach Weihnachten im Garten weiterwachsen
  • spart jedes Jahr einen neuen Baumkauf

Vorsicht:
Viele „Topfbäume“ wurden erst kurz vor dem Verkauf ausgestochen und in einen Topf gesetzt – die überleben selten. Also unbedingt nach echten Containerpflanzen fragen!

Es gibt inzwischen auch tolle Mietmodelle: Bäume werden im Topf geliefert, bei euch eingezogen und nach dem Fest wieder abgeholt und weiter gepflegt. Nachhaltiger geht’s kaum.

Ein Weihnachtsbaum im Topf steht auf einer Bank
Ein Weihnachtsbaum im Topf kann eine nachhaltige Alternative zum klassischen Baum sein.

3. Eine Baum-Alternative wie den Keihnachtsbaum oder den Franky Tree

Neben klassischen Weihnachtsbäumen gibt es inzwischen auch spannende nachhaltige Alternativen, die ganz ohne gefällte Bäume auskommen. Zwei Modelle, die wir besonders interessant finden, sind der Keinachtsbaum und der Franky Tree.

Keinachtsbaum: Der modulare Holzbaum

Der Keinachtsbaum besteht aus einzelnen Holzlamellen, die ihr wie einen echten Baum aufstellen und dekorieren könnt. Ein Pettersson-und-Findus-Baum in edel, wenn ihr so wollt. Das verwendete Holz stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Ihr könnt das Grün – ebenfalls nachhaltig – direkt mitbestellen oder es regional (und bio!) dazukaufen.

Der größte Vorteil: Ihr könnt dieses System jedes Jahr wiederverwenden. Dadurch entsteht kein jährlicher Ressourcenverbrauch, kein Transportaufwand und keine Entsorgung.

Einziger Nachteil: Ihr müsst für den Baum im ersten Jahr deutlich mehr bezahlen als für eine klassische Tanne oder Fichte. Unserer Meinung nach aber völlig gerechtfertigt!

Wenn ihr euch einen Baum aus Ästen selbst bauen wollt, schaut gern mal unsere Anleitung dazu an. Das Teil hat uns in den vergangenen Jahren gute Dienste geleistet – dieses Jahr haben wir aber auf den Keinachtsbaum ge-upgradet.

Franky Tree: Der Steckbaum aus Restholz

Der Franky Tree ist ein Weihnachtsbaum, der aus Holzresten gefertigt wird, die in Tischlereien oder Werkstätten anfallen. Statt die wertvollen Abschnitte zu entsorgen, werden sie zu einem langlebigen, dekorativen Baum zusammengesteckt.
Vorteile: Der Baum lässt sich jedes Jahr wiederverwenden und ist damit langfristig extrem nachhaltig. Gleichzeitig sorgt das verwendete Restholz dafür, dass keine zusätzlichen Ressourcen benötigt werden. Jeder Franky Tree sieht ein wenig anders aus, was ihm seinen besonderen Charme verleiht.

Mögliche Nachteile: Die Bäume sind ziemlich hochpreisig. Und: Für uns sind sie nicht so richtig weihnachtlich, sondern eher ein Designprojekt. Apropos: Wir haben auch mal einen Weihnachtsbaum gebaut, der eigentlich keiner ist. Hier geht’s zur Anleitung für unseren “DIY-nachtsbaum“.

Keinachtsbaum und Franky Tree sind ideal, wenn ihr:

  • keinen echten Baum fällen möchtet,
  • eine langlebige, wiederverwendbare Lösung sucht,
  • Wert auf Design und Handwerk legt

Ein Baum aus Ästen steht in einem Wohnzimmer
Unser Petterson-und-Findus-Baum.

Kann ein Plastik-Weihnachtsbaum nachhaltig sein?

Diese Frage begegnet uns jedes Jahr – und die Antwort ist: Es kommt drauf an. Das Hauptproblem: Kunststoffbäume bestehen oft aus PVC und sind mit Weichmachern und Metallteilen versehen. Ihr holt euch so also auch richtig viele Schadstoffe ins Haus, wenn es schlecht läuft.

Dazu kommt: Die Herstellung ist energieintensiv und klimatechnisch nicht ohne. Und: Der Baum ist kaum recycelbar und landet fast immer im Restmüll.

Wann kann ein Plastikbaum dennoch nachhaltiger sein?

  • Wenn ihr ihn mindestens 10–20 Jahre nutzt.
  • Wenn ihr keinen echten Baum toleriert (Allergien, Haustiere).
  • Wenn er gebraucht gekauft wurde.
  • Wenn ihr einen Baum nutzt, der aus recyceltem Material hergestellt ist und entsprechende Schadstoff-Siegel aufweist

Realistisch betrachtet schaffen die meisten diese Nutzungsspanne nicht. Und optisch kommt ein echter Baum einfach nicht mit – finden wir. Für uns persönlich ist ein Kunststoff-Baum also keine Form des nachhaltigen Baums.

Das Wissen auf einen Blick:

Wenn ihr möglichst umweltfreundlich feiern wollt, empfehlen wir:

  1. Bio-Baum aus der Region – für die meisten Haushalte die beste Kombination aus Ökologie und Weihnachtsstimmung.
  2. Topfbaum – ideal, wenn ihr langfristig denkt oder einen Garten habt.
  3. Plastikbaum nur in Ausnahmefällen, und nur, wenn er wirklich jahrzehntelang genutzt wird.

Was uns immer wichtig ist: Nachhaltigkeit heißt nicht Verzicht – es geht eher darum, dass ihr bewusste Entscheidungen trefft.


🎄Bonus: So entsorgt ihr euren Baum umweltfreundlich

Das Wichtigste vorab: Nicht im Kamin verbrennen! Harze sorgen für Funkenflug und setzen sich im Ofen ab. Das macht euch auf Dauer nur Probleme. Was wir stattdessen empfehlen:

🌿 Zerkleinern & mulchen: Perfekt für Hochbeete, Wege und Beerensträucher.

🐐 Tierhöfe fragen: Manche Höfe nutzen die Zweige als Beschäftigung oder Futter.

🚛 Kommunale Abholung: Viele Städte kompostieren die Bäume. Dazu findet ihr bei eurer Stadtreinigung Termine für die Abholung.

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