Entlastungschnitt beim Bäume schneiden

Bäume schneiden: Was eure Bäume wirklich brauchen

Unser Resthof ist nicht nur ein Wohndenkmal, auch die Hofanlage inklusive der Bäume stehen unter Denkmalschutz. Was heißt: Wir müssen die Bäume richtig gut pflegen. Hier lest ihr, wann und wie wir Bäume schneiden und warum wir so manche Esche fällen mussten.

Egal, ob ihr einen Garten mit Baumbestand übernehmt oder euch neue Gewächse in den Garten setzt. Irgendwann kommt sicher die Frage aus: Müssen wir eigentlich den Baum bzw. die Bäume schneiden? Und wenn ja: Wann ist der beste Zeitpunkt, um Gehölzschnitt zu betreiben?! Wir gehen das Ganze mit euch einmal durch.

Muss ich überhaupt meine Bäume schneiden?

Die ehrliche Antwort lautet: Nein. Aber: Oft ist es sinnvoll.

Ein Baum ist erst einmal ein eigenständiges, stabiles Lebewesen. In der Natur wird er nie geschnitten und kommt trotzdem zurecht. Im Garten sieht das aber anders aus. Hier wachsen Bäume oft auf engem Raum, in Nähe von Häusern, Zäunen oder Wegen. Und wir haben Erwartungen: Er soll Schatten spenden, Früchte tragen, sicher stehen und dabei möglichst schön aussehen.

Ein gezielter Schnitt kann dabei helfen,

  • den Baum gesund zu halten, indem ihr abgestorbene oder kranke Äste entfernt
  • die Krone stabil aufzubauen, damit sie Stürmen oder Starkregen besser standhält
  • Licht und Luft in die Krone zu bringen
  • bei Obstbäumen Fruchtqualität und Ertrag zu verbessern

Uns ist dabei wichtig: Wenn wir Bäume schneiden, dann nur, um sie in ihrem natürlichen Wuchs zu unterstützen. Und wir lassen lieber wachsen, als zu viel wegzunehmen. Ein guter Schnitt fällt später kaum auf – ein schlechter leider schon. 🙁

Deborah Hucht beim Schneiden von einem Baum.

Wann darf ich Bäume schneiden?

Bevor wir über Scheren, Sägen und Schnitttechniken sprechen, müssen wir über Regeln reden. Was beim Baumschnitt immer mitschwingt, ist der Tierschutz. Oder vielmehr die Frage: Wann ist das Bäume Schneiden erlaubt?!

Gesetzlicher Schutzzeitraum: von März bis September

In Deutschland gilt nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 39 BNatSchG) ein klarer Zeitraum: Vom 1. März bis zum 30. September dürft ihr Bäume und größere Gehölze nicht stark zurückschneiden oder fällen. Das gilt übrigens auch für euren Heckenschnitt. Der Grund? In dieser Zeit brüten Vögel, ziehen ihre Jungen groß oder nutzen Bäume als Rückzugsort. Erlaubt sind in dieser Phase nur schonende Pflegeschnitte, zum Beispiel das Entfernen einzelner toter Äste – und auch nur dann, wenn sich dort keine Nester befinden.

Zusätzlich gibt es in vielen Städten und Gemeinden Baumschutz-Satzungen, die unabhängig von der Jahreszeit gelten können. Besonders größere oder ältere Bäume stehen häufig unter Schutz. So wie bei uns: Eine unserer ersten Amtshandlungen auf dem Hof war, ein Baumkataster anlegen zu lassen. Jeder Baum ab einer bestimmten Höhe bzw. einem bestimmten Durchmesser hat eine Nummer bekommen. Plus: Ein Fachmann hat eine Empfehlung zur Pflege (oder Fällung) gegeben.

Winterschnitt oder Sommerschnitt – was tut dem Baum gut?

Wenn ihr euch über das Bäume schneiden und/ oder fällen informiert, lest ihr vermutlich hier und da etwas vom Winterschnitt oder Sommerschnitt. Was das genau heißt? Verraten wir euch gern!

Der Winterschnitt: Pflege in der Ruhezeit

Der klassische Zeitpunkt für den Baumschnitt liegt im späten Herbst und Winter, also außerhalb der Schutzzeit.

Was wir am Winterschnitt schätzen: Der Baum ruht. Er hat keine Blätter, keine Früchte, keinen aktiven Saftstrom. Wir sehen seine Struktur ganz klar – und genau das macht diesen Zeitpunkt ideal für größere Korrekturen oder den Aufbau junger Bäume.

Der Winterschnitt eignet sich besonders, um

  • die Grundform der Krone zu entwickeln
  • sich kreuzende oder nach innen wachsende Äste zu entfernen
  • alte, nicht mehr tragfähige Äste herauszunehmen

Wichtig ist, nicht bei starkem Frost zu schneiden. Sehr kalte Temperaturen können dazu führen, dass das Holz splittert und Schnittwunden schlechter verheilen.

Der Sommerschnitt: ergänzende Feinarbeiten

Der Sommerschnitt sehen wir eher als ergänzende Maßnahme. Dieser Gehölzschnitt findet meist im Hochsommer statt und dient weniger der Form, sondern mehr der Lenkung des Wachstums.

Typische Gründe für einen Sommerschnitt sind:

  • das Entfernen von Wassertrieben
  • das Auslichten sehr dichter Kronen
  • das Bremsen von zu starkem Neuaustrieb

Hier gilt: Seid zuürckhaltend. Ein zu starker Schnitt im Sommer kann den Baum bei Hitze oder Trockenheit etwa unnötig stressen.

Eine Besonderheit: Schneiden von “blutenden Bäumen”

Vielleicht habt ihr das schon einmal gesehen: Nach dem Schnitt tritt aus der Schnittstelle Flüssigkeit aus, manchmal sogar über Tage hinweg. Das nennt man auch bluten. Die gute Nachricht vorweg: Blutende Bäume sind in den meisten Fällen kein Grund zur Panik.

Vor allem Ahorn, Birke, Walnuss und Weinreben neigen dazu, nach einem Schnitt im späten Winter oder zeitigen Frühjahr stark zu „bluten“. Ursache ist der sogenannte Saftdruck. Sobald der Baum aus der Winterruhe erwacht, transportiert er Wasser und Nährstoffe aus den Wurzeln nach oben. Wird in dieser Phase geschnitten, findet sich der Saft seinen Weg nach draußen.

Besser als ein Schnitt im Winter ist für diese Bäume der Schnittzeitpunkt im Frühjahr, wenn schon Blätter wachsen. In dieser Zeit ist der Saftdruck geringer und der Baum kann Schnittwunden ruhiger verschließen.

Deborah Hucht beim Schneiden von einem Walnussbaum

Wie schneidet man Bäume richtig?

Viele Schäden entstehen nicht durch den falschen Zeitpunkt, sondern durch falsche Schnitte. Dabei sind die Grundregeln eigentlich überschaubar. Darauf achten wir beim Bäume schneiden:

  • Wir arbeiten nur mit scharfem, sauberem Werkzeug
  • Wir schneiden Äste nur am Ansatz und lassen keine Stummel oder auch “Kleiderhaken” stehen
  • Wir fangen sanft an und schneiden lieber im Jahr drauf nochmal nach
  • Wir achten auf die “Saftwaage” – der Baum muss gleichmäßig wachsen dürfen
  • Wir kappen nur Äste bis zu einer Dicke von 10-12 Zentimetern. Der Baum kann kleine Schnitte selbst verschließen – bei großen Verletzungen hat er deutlich mehr zu kämpfen.

Was ihr fürs Bäumeschneiden braucht

Wenn ihr euch an den Gehölzschnitt macht, solltet ihr immer das passende Werkzeug parat haben. Je nach Größe und Dicke der Äste, die ihr schneidet wollt, braucht ihr eine Astschere und/ oder eine Rosenschere und eine kleine Säge. Wir nutzen gern eine Astschere und dazu eine Japansäge. Damit bekomme selbst ich ziemlich dicke Äste durch. Für die “schwereren” Fälle bietet sich etwas “Motorisiertes” an, eine Säbelsäge oder eine Kettensäge etwa.

Wir tragen bei Baumarbeiten in der Regel Handschuhe und vor allem: eine Schutzbrille. Es ist super unangenehm, Äste, Zweige oder Schnittgut in die Augen zu bekommen. Mehr braucht ihr meiner Meinung nicht zum Schneiden eurer Gehölze.

Auch kein Wundverschlussmittel wie Wachs – das war früher total angesagt. Diese Mittelchen braucht ihr eigentlich nicht, wenn ihr gut schneidet. Ihr könnt mit so etwas sogar mehr Schaden anrichten als mit euren Schnittwerkzeugen – denn darunter können Pilze ungehemmt (und ungesehen!) wachsen.

Entlastungschnitt beim Bäume schneiden

Baumschnitt-Anleitung: Schritt für Schritt erklärt

  1. Schaut euch den Baum von allen Seiten an und überlegt euch eine Taktik. Wir schneiden meist von dick nach dünn und achten drauf, dass die Krone hinterher ausgeglichen ist.
  2. Checkt einmal, ob im Baum Vögel nisten oder z.B. nachtaktive Tiere drin schlafen.
  3. Fangt mit den Ästen an, die krank oder tot sind.
  4. Sind die Äste dicker als 5cm, sägt ihr zunächst einen Entlastungsschnitt von unten in den Ast. Dann erst von oben durchschneiden. Das verhindert, dass euch der Ast unkontrolliert wegspringt.
  5. Geht dann Ast für Ast vor. Tretet zwischendrin immer mal ein paar Schritte zurück und schaut, ob ihr noch richtig seid.
  6. Am Ende heißt es dann aufräumen und Baumschnitt entsorgen!

Wie kann man den Gehölzschnitt lernen?

Unser Wissen haben wir aus Standardwerken wie etwa dem Buch “Obstbaumschnitt in Bildern” – und vom tatsächlichen Tun. Unser Tipp: Eine Schulung oder ein Seminar wie etwas das von unserer lieben Gartenfreundin Barbara kann euch helfen, die richtige Technik für das Bäume-Schneiden zu lernen! Manchmal bieten auch die VHS oder örtliche Naturschutz- oder Kleingarten-Vereine Seminare an.

Fun Fact: Bei manchen unserer Bäume dürfen wir gar nicht selbst Hand anlegen. Alles, was mehr als 60 Zentimeter Durchmesser hat, fällt in die Kategorie “nur was für Fachmenschen”. Denn je massiver ein Baum gewachsen ist, desto höher sind die Chancen, dass A) der Baum Schaden nimmt bei den Maßnahmen und B) dass beim Gehölzschnitt Unfälle passieren. Ist uns also ganz recht, wenn wir ehrlich sind.

Formschnitt oder Pflegeschnitt – wo liegt der Unterschied?

Beim Thema Baumschnitt werden oft verschiedene Begriffe durcheinandergeworfen. Besonders häufig begegnen uns die Begriffe Formschnitt und Pflegeschnitt. Dabei verfolgen beide ganz unterschiedliche Ziele.

Pflegeschnitt: Erhalten statt verändern

Der Pflegeschnitt wird auch Entlastundsschnitt genannt. Er ist die sanfteste Form des Baumschnitts – und aus unserer Sicht die wichtigste.

Er dient dazu,

  • tote, kranke oder beschädigte Äste zu entfernen
  • sich reibende oder ungünstig wachsende Triebe herauszunehmen
  • die Krone luftig und gesund zu halten

Ein Pflegeschnitt greift nicht stark in die natürliche Form des Baumes ein. Er begleitet den Baum über Jahre hinweg und hilft ihm, stabil und vital zu bleiben. Gerade bei älteren Bäumen ist der Pflegeschnitt oft völlig ausreichend.

Formschnitt: gestalten und formen

Der Formschnitt geht einen Schritt weiter. Hier wird bewusst in die Gestalt des Baumes eingegriffen, um eine bestimmte Wuchsform zu erreichen oder zu erhalten. Das kann sinnvoll sein bei:

  • jungen Bäumen im Aufbau
  • Obstbäumen mit klarer Kronenform
  • Bäumen in sehr kleinen Gärten

Wichtig ist dabei, den Formschnitt nicht mit radikalem Rückschnitt zu verwechseln. Auch beim Formschnitt gilt: maßvoll, vorausschauend und über mehrere Jahre hinweg arbeiten. Ein Baum lässt sich nicht in einer Saison „in Form bringen“, ohne ihn zu schwächen.

Unser Rat:
Wenn ihr unsicher seid, ob ein Schnitt wirklich nötig ist, entscheidet euch im Zweifel für den Pflegeschnitt. Er ist verzeihender, nachhaltiger und fast immer im Sinne des Baumes.

Wohin mit dem Baumschnitt?

Wir versuchen uns ja an dem Prinzip Permakultur. Deshalb versuchen wir, alles, was bei uns wächst, auch bei uns zu behalten. Baumschnitt wandert bei uns nicht vom Grundstück, sondern wir wiederverwendet. Zum Beispiel in Form von Häcksel als Mulchmaterial unter Bäumen und Sträuchern oder als Füllmaterial auf Wegen.

Super ist auch ein Totholz-Haufen aus dem Baumschnitt. Wir haben die “Edel-Variante” in Form einer Benjeshecke. Dabei werden Äste und Zweige aufgestapelt. Ein toller Unterschlupf für allerhand Tiere. Und ein toller natürlicher Sichtschutz – noch dazu eine günstige Alternative zu einer Hecke oder einem Zaun bzw. Sichtschutz!

Bäume fällen: manchmal leider nötig

Wenn wir über das Schneiden von Bäumen sprechen – bzw. schreiben – müssen wir auch ein paar Worte rund um das Bäume fällen verlieren. Mir persönlich tut es ja immer weh, wenn ich sehe, dass Bäume gefällt werden. (Und wenn sie falsch geschnitten werden)
Aber: Bei uns auf dem Hof mussten nach der Erstellung des Katasters erstmal knapp 30 Bäume (richtig, richtig hohe und entsprechend alte…!) weichen. Es handelte sich dabei um Eschen, die an einem Pilz, dem Eschentriebsterben, erkrankt waren. Sie standen nicht mehr sicher – und haben uns wie auch Nachbarn und Vorbeifahrende in Gefahr gebracht. Das Fällen eines Baumes ist unserer Meinung nach immer ein großer Eingriff. Rechtlich ist es deutlich strenger geregelt als der normale Baumschnitt.

Grundsätzlich gilt:

  • Während der Schutzzeit von März bis September ist das Fällen verboten (es sei denn, der Baum steht nicht mehr sicher)
  • Außerhalb dieser Zeit sind in der Regel Sonder-Genehmigungen nötig
  • Baumschutzssatzungen der Kommunen haben Vorrang

Gerade bei alten oder großen Bäumen empfehlen wir dringend, vorab Rücksprache mit der zuständigen Stelle zu halten – und/oder Fachleute einzubeziehen. Wir mussten die Fällungen beim Landkreis beantragen. Und: Bekamen dann auch direkt eine Auflage, mit welchen Bäumen wir wieder aufforsten sollten.

Image placeholder

Debo

Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner