Dinge, die wir noch nie gemacht haben: ein Punktfundament gießen

Long time, no hear! Oder vielmehr no read. Wir waren superbusy mit dem Aufbau unserer Gartenhütte und haben inzwischen ein Punktfundament bzw. 35 Fundamente gegossen. Wer braucht schon ein Fitness-Studio?!

Die Sache mit den Fundamenten ist eine Wissenschaft für sich. Wie ungefähr alles, was sich so rund um unseren Kleingarten und vor allem den Hüttenbau abspielt.

Was ist ein Punktfundament und warum haben wir uns für die Variante entschieden?

Ein Punktfundament ist nicht ein Fundament, sondern es beschreibt eine Anordnung von Fundamenten, die dazu da sind, die Last z.B. einer Gartenhütte zu tragen und optimal verteilt in den Boden abzuleiten. Ein Punktfundament nutzt man auch für Zäune oder Unterstände, wie etwa Carports. Wenn ihr in Norddeutschland wohnt und eure Wäschespinne ordentlich befestigen wollt, solltet ihr auch über eins nachdenken.

Es gibt aber natürlich noch andere Möglichkeiten, ein Fundament zu legen.

  1. Fundamentplatte: Die kennt man von „herkömmlichen“ Häusern, man gießt eine ganze Betonfläche statt der punktuellen „Löcher“ wie beim Punktfundament. Achtung: Ist im Kleingarten verboten. So eine Betonplatte lässt sich a) nur sehr schwer wieder entfernen und b) verdichtet sie den Boden – das wird in Schrebergärten nicht gern gesehen
  2. Betonplatten verlegen: Ähnlich wie bei einer Terrasse verlegt man hierfür Betonplatten nebeneinander, schlämmt sie ein und stellt anschließend ein Gebäude drauf. Hatte der Vorbesitzer unserer Gartenhütte, die wir versetzen werden, auch. Vorteil: Geht relativ schnell und ist relativ günstig. Nachteil: Auch diese Version verdichtet den Boden zu sehr. Und: Wir wollten mehr „Luft“ unter unserer Hütte, da wir Holzboden verwenden wollen und Schimmelbildung vermeiden wollen.
  3. Streifenfundament: Hier gießt man den Beton in Streifen unter die tragenden Wände. In unserem Fall hätten wir hier einmal ringsherum gegossen, sowie noch einmal quer unter der Hütte durch, da wir eine Wand einziehen wollen. Wäre auch gegangen, wir fanden aber die Punktfundamente etwas einfacher zu errichten. Nicht vergessen: Wir sind ja eigentlich Neulinge in solchen Dingen!

Was man für ein Punktfundament braucht:

punktfundament-material

Schweres Gerät:

  • Wir haben eine Erdbohrmaschine und einen Erdbohrer in 15 cm Durchmesser bei OBI ausgeliehen.

Nicht ganz so schweres Gerät:

  • Schaufel und Maurerkelle, außerdem eine Maurertonne – wir haben eine rechteckige Version gewählt.
  • Balken/ Kanthölzer – wir haben 78x98mm starke verbaut, die Länge muss der Wandbreite bzw. -Länge der Hütte entsprechen.
  • Bewehrungsstahl – wir haben Torstahl-Stangen in 6 mm bzw. 8 mm verwendet, ca. einen Meter lang, und dann zu einem U umgebogen
  • Pfostenträger plus Schrauben, diese zu verankern
  • Kies oder Steine, um die Löcher zu befestigen und eine Drainage zu gewährleisten
  • Sand und Kies, um den Raum um die Fundamente herum unkrautfrei und trocken zu bekommen
  • Kanthölzer oder Sonstiges zum Unterlegen
  • Einen „Stocherstab“ – der sollte so lang sein, dass man in die Löcher hineinkommt.
  • Zollstock
  • Wasserwaage
  • Bleistift
  • Eine Säge – wenn die Balken nicht die richtige Länge haben
  • Holzimprägnierung
  • Pinsel
  • Schleifpapier plus passende Schleifhilfe
  • Beton – wir haben Ruck-Zuck-Beton in 25-kg-Säcken genutzt, der ist schon vorgemischt und die Packungsgröße kann auch ich wuppen.
  • Wasser. Viel Wasser
  • Eine Plane zur Abdeckung – muss also groß genug sein!
  • Schalungen, bzw. das Material dafür: Holzlatten, Nägel, Säge, Hammer
  • Ein Schnurgerüst oder sonst etwas zur Orientierung

Ein Punktfundament gießen: Schritt für Schritt

  1. Punktfundament: Vorbereitung ist alles!
    Bei Punktfundamenten ist die Vorbereitung essenziell, denn die Fundamente müssen richtig ausgemessen werden. Wenn sie zu sehr springen oder am Ende nicht im Wasser liegen, hat man ein kleines Problem. Die Abstände und die korrekte Ausrichtung haben wir mit Hilfe unseres Schnurgerüsts ausgemessen und festgehalten. Damit das Fundament eine vernünftige Höhe und eine gute Form bekommt, bietet es sich an, eine Schalung zusammenzuzimmern. Wir haben welche in 30x30x10 cm vorbereitet. Dadurch hatten wir bessere Kontrolle darüber, wie wir die Balken bzw. die Pfostenschuhe einbetonieren. Wir konnten die Balken auf den Schalungen aufliegen lassen und haben so das Ganze ins Wasser bekommen.
  2. Die Balken bekommen Pfostenträger.
    Wir haben sägeraue Balken verwendet und an diese einfach Pfostenträger geschraubt. Die Abstände sollte man so wählen, dass die Träger auf der Höhe der Mitte der Punktfundamente festgemacht werden, in die sie später eingegossen werden. Es bietet sich an dieser Stelle außerdem an, die Balken einmal zu behandeln. Wir haben einen wetterfesten Imprägniergrund gewählt, der gegen Schimmel und Bläue schützt. Das ist zwar ganz und gar nicht bio, verhindert aber, dass einem das Haus unterm Hintern wegschimmelt. Wir haben aufgrund des Wetters bei unserer Punktfundament-Aktion – stetiger Nieselregen – das Imprägnieren verschoben. Hinterher geht auch, ist aber etwas mühsamer.punktfundament-pfostentrae
  3. Löcher in den Boden bohren
    So. Jetzt geht’s ans Bohren. Punktfundamente sollten etwa 80 Zentimeter tief in den Boden hineinragen. An dem Punkt liegt die sogenannte Frosttiefe. Den Beton soweit in den Boden hineinzugießen, sorgt dafür, dass es darunter nicht friert und der Sockel nicht von unten her Risse bekommt und kaputtgeht. So ein tiefes Loch kann man entweder ausgraben (viel Spaß!!!), oder aber man leiht sich schweres Gerät, so wie wir. Mit dem Erdbohrer ging das Ganz relativ gut, wir haben trotzdem etwas mit Spaten und Schaufeln nachgeholfen. Wir haben ja schon beim Beete anlegen gemerkt, dass bei uns einiges im Boden steckt. Wir haben mehrere gusseiserne Kochtöpfe, viele Steine und einige Scherben ausgebuddelt. Die Löcher hatten am Ende dann etwa 20 Zentimeter Durchmesser. Allerdings: Der Erdbohrer ist ein schweres und vor allem starkes Biest, das man erst einmal bändigen muss. Ich konnte den kaum halten, geschweige denn, ihn steuern, wenn er an war. Florian hat einige blaue Flecken davongetragen, denn wenn sich der Bohrer „festbeißt“, denn dreht sich nicht mehr der Bohrer, sondern der Mensch, der oben festhält. Deshalb sind uns ein paar Löcher ausgerissen und sind aus der Reihe getanzt. Hier haben wir dann manuell weitergearbeitet und am Ende nochmal begradigt. Ein Hoch auf unser Schnurgerüst!punkfundament-erdbohrerPunktfundament-Loecher
  4. Löcher befestigen
    Wenn die Löcher dann gebohrt sind, sollte man erst einmal den Boden drumherum säubern. Außerdem sollten die Löcher von innen einmal festgeklopft werden. Hier haben wir uns mit einem alten Zaunpfahl beholfen. Der Boden jedes Lochs wird mit Kies oder Steinen ausgestreut, die dann auch wieder festgestampft werden. Diese Steine dienen als Drainage und sorgen dafür, dass sich unterm Beton keine Feuchtigkeit festsetzt.
  5. Balken ausrichten
    Dann kann man die Schalungen ausbringen und die Balken positionieren. Wir haben das Stück für Stück gemacht, also einmal den ersten am Schnurgerüst ausgerichtet und sind von dort aus weiter vorgegangen.punktfundament-schalung
  6. Beton anmischen und Punktfundamente gießen
    Endlich war es dann soweit: Nach einem halben Tag der Bohrerei und noch einmal einem halben Tag der Schaufelei konnten wir dann endlich ans Rühren und Gießen des Betons. Laut Packung sollten wir immer einen Teil des trockenen Betongemischs ins Loch schütten und dann Wasser draufgießen und rühren. Das erschien uns irgendwie zu wild, zumal nicht alle Löcher gleich gut zu erreichen waren – die Balken sind zum Teil total in sich verzogen, da war kein Vorbeikommen. Wir haben also ganz klassisch den Beton angerührt. Beim ersten noch alle drei Säcke auf einmal (pro 25-kg-Sack braucht ihr ca. drei Liter Wasser)  – dann aber Sack für Sack. Ist erstens weniger anstrengend und zweitens macht der Ruck-Zuck-Beton seinem Namen alle Ehre und bindet in Nullkommanix ab. Zu trockener Beton bröckelt schnell und wird nicht so schön glatt. Wir haben deshalb ein hässliches Fundament – und den Rest dann, wie er im Buche steht, gegossen.punktfundament-betonWir sind dann immer so vorgegangen:
    Loch und Schalung einmal wässern,Betonsack 1 mischen und einfüllen,
    stochern,
    den Stahl einbringen,Betonsack 2 mischen und einfüllen,
    stochern,Betonsack 3 mischen und einfüllen,
    stochern,
    glatt streichen,
    klopfen/hämmern
  7. Beton entlüften durch stochern und klopfen
    Warum das ganze Stochern und Klopfen? Beton enthält viel Luft und die gilt es, heraus zu stochern und zu klopfen. Würde man das nicht machen, würden Luftblasen im Beton eingeschlossen und dieser würde leichter reißen und instabil werden. Auf dem Bau erledigt den Prozess ein Rüttler.  Wir haben einen alten Besenstil als Stocherstab um funktioniert und am Ende dann immer mit einem Hammer rund um die Schalung geklopft. Nach dem Stochern ging meist noch viel mehr Beton ins Loch – ein Indiz dafür, dass das Fundament ohne viel weniger stabil wäre. Das Stochern sorgt außerdem dafür, dass sich der Beton optimal verteilt, also auch in die Erdritzen, die der Bohrer gerissen hat.punktfundament-stochern-ruetteln
  8. Beton trocknen – aber nicht austrocknen lassen!
    Wenn jedes einzelne Punktfundament gegossen wird, heißt es abwarten. Ruck-Zuck-Beton zieht ziemlich schnell an und ist nach einer Stunde schon trocken. Nach vier Wochen ist er komplett ausgehärtet. Jetzt kommt etwas, das auf den ersten Blick nicht sehr viel Sinn macht. Vermeidet direkte Sonneneinstrahlung in den ersten Tagen, sondern gießt euren Beton lieber etwas oder lasst ihn einmal einregnen. Aber nicht zu viel. Ach, irgendwie ist der Baustoff eine richtige Diva! Wichtig: Zu schnelles Austrocknen fördert Risse, deshalb gießt man bei zu hohen Temperaturen noch einmal nach. Wir haben ja bei schönstem Hamburger Sommerwetter betoniert, also bei Niesel und etwa 18 Grad Außentemperatur. Für unser Punktfundament perfekt. Für unsere Laune eher so mittel. Aber egal, immerhin haben wir nun 35 perfekte Fundamente und ein hässliches, bröckeliges. Die Quote finden wir durchaus ok und, viel wichtiger: Das Ganze dürfte stabil sein und die nächsten zehn Jahre halten.punktfundament-stochern-ruetteln

Alles im Wasser?!

Wir haben ja unsere Balken einmal am Schnurgerüst und dann aneinander ausgerichtet. Hier war auch wieder die Vorbereitung sehr hilfreich: Wir haben eine kleine Skizze angefertigt, auf der wir die Abstände und die richtigen Maße eingetragen haben. Das hilft sehr, wenn einem die Arme und das Gehirn vom Beton mischen durchhängen und mit jedem Regentropfen die Gesichter länger werden. Zwischendurch haben wir mit der Wasserwaage immer wieder gecheckt, ob die Balken in sich gerade sind und ob sie zu den anderen im Wasser sind. Ein bisschen Abweichung ist erlaubt, schließlich wollen wir ja keinen Murmeln in der Gartenhütte aufbewahren. Aber das ganze sollte schon passen, wenn wir keine sackenden Wände oder einstürzende Dachteile riskieren wollen!

punktfundament-im-wasser

9. Sand und Kies verteilen
Um nun zu verhindern, dass sich unter der Hütte Feuchtigkeit sammelt, kann man Sand oder Kies darunter und drumherum verteilen. Wir werden unter die Hütte direkt Sand etwa fünf bis zehn Zentimeter hoch schütten und dann ein Band an Kies für den Spritzschutz – ca. 20 Zentimeter breit und ebenfalls fünf bis zehn Zentimeter hoch – um die Hütte herumstreuen. So dürften selbst starke Regenfälle und Nebel, Tau, etc. keine Chance haben. Achso: Den Fußboden werden wir von unten ebenfalls gegen Schimmel behandeln. Gib Schimmel keine Schangse!

Puuuuh. Das war echt ein Knochenjob, Mutterboden karren war NIX dagegen. Gedauert hat der ganze Punktfundamente-Zauber insgesamt fünf Tage mit Vorbereitung des Schnurgerüsts und der Schalungen etc., sechs, wenn man den Sand und Kies dann noch hinzurechnet. Aber das Ergebnis sieht viel besser aus, als wir es erwartet hätten. Und hält hoffentlich mindestens gut…

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